Tourenbericht zur Hochtour in den Glarner Alpen, August 2025

Verfasser: Christopher Kaya

„Wer hat Lust auf eine Hochtour?“ … hieß es. Ich glaube es war im März als ich von der geplanten Hochtour erfuhr…

Zuerst war es nicht sicher ob noch ein Platz in den Hütten für mich frei ist. Als mir Philipp dann doch zusagte, war es wie „Deus Ex Machina“ zu der trostlosen Jahreszeit und ich fieberte dem August umso mehr entgegen. Abfahrt um 3:05(!) Uhr in Miltenberg…! Philipp und Michael kannte ich bereits von einer vergangenen Hochtour vor fünf Jahren. Mit in unserem Bus Richtung Schweiz saßen noch Dani und Volker. Dass Philipp ein ambitionierter Bergsteiger ist und diverse Kurse hinter sich hat, wusste ich bereits und Michael…(..!) Reinhold Messner von Miltenberg.

Volker erzählte von seinen Watzmann-Überschreitungen und Dani vom Eisklettern…! Das ist so der Moment wo man sich wie der Newbie unter Pros fühlt und das was auf einen zukommt anfängt kritisch zu hinterfragen. Am Klausenpass angekommen, stießen noch Peter & Petra (voll süß, oder?) hinzu. Ich war etwas erleichtert muss ich zugeben, als ich die beiden sah. Und dachte mir…okay…das packste auch! Ja…sorry, schuldig! Klassischer Fall von Vorurteilen. Aber dass Petra die wohl härteste und tollkühnste Dame ist, die mir bis dato begegnet ist…konnte ich ja wirklich nicht wissen! Wir verbrachten den Tag an einer nahgelegenen Felswand mit etwas Kletterei und paar auffrischenden Basics… gehen mit Prusik am Seil usw. Dann, Schwerpunkt Spaltenrettung in allen wechselnden Konstellationen.

Wie war das noch…Z.Z.Z.Z.(?) Zug Zeigt Zum Zeil…? Oder so ähnlich… In einer echten Stresssituation nicht einfach alles richtig zu machen. …und mir wurde klar, dass es wohl am besten wäre, wenn ich der bin, der in der Spalte einfach nur rumhängen muss. Am nächsten Morgen ging es endlich los! Nach einem schönen aber steilen Anstieg, kamen wir an das erste Schneefeld und zogen die Steigeisen an. Bei herrlichen Bedingungen, stapften wir in zwei Seilschaften hinauf Richtung Clariden. Der erste Teil ging im Schnee steil hinauf und dann über einen schmalen Schneebedeckten Grad weiter zum Clariden. Von dort aus konnten wir eine andere Gruppe sehen, die das letzte Stück zum Gipfel über steile Felsen hinaufkletterte.

Das sah dann doch schon mal eindrucksvoll aus für mich. Philipp meine nur…“Das löst sich dann schon auf, wenn wir dort sind“ Okay…so war es auch irgendwie. Der Aufstieg war teils mit einer Kette gesichert. Fordernd, mit bissi Nervenkitzel…aber zu schaffen. …uuuund, GIPFELGLÜCK! Es war einfach super!!!

Fantastische Aussicht bei Sonnenschein…Blick zum Tödi und über den beeindruckenden Gletscher. Nach einem kleinen Snack ging es auf der anderen Seite runter und es folgte ein langer Marsch über den Gletscher. Ziel…Planurahütte (knapp 3.000hm) Und da war es passiert… Petra in der Spalte!!! Es ist allein ihren Fähigkeiten zu verdanken, dass wir uns das ganze Prozedere sparen konnten und sie so rauskam. Bilder gibt es von der Spalte keine…sie war einfach zu groß. Aus der Ferne war die Hütte zu sehen…die nicht wirklich schnell näher kam. Auch als wir die Entfernung auf nen guten Kilometer schätzten, waren es wahrscheinlich noch mindesten drei. Als wir dann näher kamen erinnerte sie mich von der Lage her an einen Imperialen Außenposten von „Star Wars“. Schuhe lüften…isotonische Kaltgetränke…die letzten Stunden des Tages genießen.

Von einer spektakulären Plattform aus, die freitragend und ohne Randsicherung über dem steilen Eis herausragt, konnten wir über den Aufstieg zum Tödi philosophieren, der am nächsten Tag anstand. Sah von hier aus für mich recht unrealistisch aus… aber ich dachte an die Worte von Philipp… dass es sich wohl wieder „auflösen“ würde. Herrlicher Sonnenuntergang! Imposante Aussicht auf den unter der Hütte gelegenen Windkolk am Gletscherrand. Nach einer Pfeffer-Suppe mit Rote Beete im oberen Schärfegrad nach mexikanischem Standard; von einer Hüttenwirtin die den Laden fest im Griff zu haben schien, war die erste Etappe geschafft.

Bei Zeit ging es los… Volker…der lieber „nur“ Wasser anstatt Marschtee am Morgen in seiner Flasche wollte, entgegnete die Wirtin mit: „So, so… (10 Sekunden Pause) …nur Wasser? Nur Wasser ist hier oben nicht NUR Wasser…“ Was in dieser Situation und mit dem Akzent doch sehr lustig war. Noch schmunzelnd darüber ging es dann bei aufgehender Sonne senkrecht steil übers Eis hinunter. Was mich als nicht routinierten Steigeisengänger schon etwas Überwindung kostete. Bei Philipp sah es dagegen ehr so aus, als würde er sich Zuhause ein Bier aus dem Kühlschrank holen. Kurz über Felsen…dann weiter hinunter über Eis zum „Sandpass“. Von dort aus ging es unterhalb am Kleintödi vorbei auf eine Schotterplatte…Höhe gleichauf wie die Planurahütte. (Wir waren uns alle einig…hier haben die Amis die Mondlandung gedreht!)

Dann ging es auf zur Westwand, die von der Hütte aus nicht gut einzusehen war. Und Action… da war die erste knackige Stelle an der man sich über den Abgrund hinaus lehnen musste um hinauf zu Klettern. Michael stieg vor und brachte ein Fixseil an. Ich dachte mir noch…Mutige vor… und in dem Moment drängelte Petra quasi um die Nächste zu sein. Auch Dani schien voll in ihrem Element. Wir stiegen nach. Und joa…das hatte dann schon was! Noch ein bisschen gekraxel… und dann hieß es Steigeisen an. 50 Grad Steigung!… die Fußspitzen und der Eispickel in den festen Schnee gebohrt ging es nach oben. Unter uns, wirklich ein tiefer Blick ins Tal! Stellenweise dann wieder über Felsplatten, wo ich mir dachte… verdammt! Ich stehe gerade auf vier so Zinken Eisen auf einer Ritze im Fels… unten „Nix“… und das ging gefühlt ne ganze Ewigkeit so.

Dass Philipp hinter mir war, der meiner Einschätzung nach während er schläft wahrscheinlich Knoten in die Luft bindet, beruhigte mich irgendwie. Obwohl er mir auch nur hätte zuwinken können, wenn der gewählte Tritt nicht sicher gewesen wäre. Am Rand der Wand stiegen wir weiter auf. Kurz unterm Grad zum Gipfel war nochmal eine steile Felsplatte zu übersteigen, was ziemlich tricky erschien. Michael stieg vor und brachte ein Fixseil an. Wir Standen unterhalb der Felsplatte…ein Hubschrauber flog über uns hinweg… Wind… Kalt! Es hatte wirklich Atmosphäre…!

Mir war in dem Moment klar, dass ich mehr auf meine Kosten gekommen bin wie ich erwartet hatte und dass das Maß an Aufregung was mir „abenteuerlich“ erscheint, auch dick erreicht war. Ich machte mich los vom Seil und folgte Volker zum Gipfelsturm. Piz Russein 3.613m Ein wirklich unvergesslicher Moment mit ehr unbekannten Menschen die mir die letzten paar Stunden aber außergewöhnlich ans Herz gewachsen sind. Ein paar Bilder schießen… Eintrag ins Gipfelbuch… Und wir legten uns ums Eck rum an einer etwas windgeschützteren Stelle ab und zelebrierten den Moment mit Schoki und Trockenfrüchten und derartig praktischen Bescheidenheiten.

Gestärkt ging es durch den etwas matschig werdenden Schnee in zwei Seilschaften den Gletscher hinunter. Langes gelatsche und gestolper. Im Bereich des Gletscherbruchs wurde es nochmal Spannend. Wir seilten uns ca. 40 Meter ab. Suchten den nicht einfach zu findenden Ausstieg aus dem Gletscher. Die Sonne ging langsam unter und Schatten legte sich in den jetzt kraterartigen Gletscher. …

Irgendwo musste es doch links raus gehen. Mulmig! Endlich fanden wir den mit Stahlseilen gesicherten Aufstieg. Oben angekommen konnten wir die Fridolinshütte sehen. Wirklich schön gelegen! Wir waren spät dran und es blieb nur zu hoffen, dass die Chefin dort nicht dasselbe Kaliber wie auf der Planurahütte war. Es war ein gemütlicher Abend und allen war die Erleichterung anzusehen.

Am nächsten Tag stand eine schöne Wanderung zur Claridenhütte an. Einmal runter und wieder hinauf… Unterwegs kamen wir an einem kleinen See vorbei der einen kurzen „Hippie-Moment“ zur Folge hatte. Ohhh ja…ich wusste bis dahin nicht, dass flüssiges Wasser so kalt sein kann. Die Claridenhütte…war im Vergleich zu den anderen dann schon ehr wie Starbucks. Verschiedene selbst gebackene Kuchen…Essen á la Carte… und eine Gitarre an der Wand. Peter hatte ungeahnte Fähigkeiten mit der Gitarre, wie man sie nur aus der Schule von seinem Religionslehrer kennt und er machte abends dort richtig Stimmung in der Bude.

Am nächsten Morgen brachen wir auf Zurück zum Klausenpass. Eine lange Etappe! Wir nahmen noch einen Gipfel mit. Bohrten nochmal random die mitgebrachte Eisschraube ins Eis und fummelten zur Krönung sogar noch eine Prusikschlinge durch zwei schräg gebohrte Löcher hindurch. Es war einfach nur gekonnt! Als wir zurück zum Parkplatz kamen, hatte sich der Klausenpass-Markt um unsere Autos herum aufgebaut. Da noch nichts beschildert war, als wir die Autos abstellten, blieb den Leuten ja nichts anderes übrig als es mit Humor zu nehmen. Michael machte noch Espresso für alle…und ab die Post.