Am Aschermittwoch, dem 18. Februar 2026, machte sich eine kleine Gruppe der DAV-Sektion Buchen auf den Weg nach Südtirol. Ziel war die frisch renovierte Sesvennahütte. Nachdem Michael im Vorfeld noch einmal die Frage in die Runde gestellt hatte, ob die Tour angesichts der Verhältnisse überhaupt stattfinden sollte, war die Antwort der Genießer schnell gefunden. Frei nach den Mottos „Zeit auf der Hütte is a schön“ und „Irgendwas geht ja immer“ fuhren wir voller Zuversicht über den Reschenpass Richtung Vinschgau.
Der Zustieg begann in Schlinig. Durch das Langlaufzentrum ging es zunächst gemütlich taleinwärts, bevor wir auf der Schliniger Alm eine erste Pause einlegten. Ein Espresso und ein Stück Apfelstrudel in der Sonne – besser kann ein Tourenauftakt kaum beginnen.
Direkt hinter der Alm öffnet sich das Gelände. Von dort stiegen Michael, Anja, Sarah, Sabine, Hansi und ich zur Sesvennahütte auf. Den Hüttenzustieg hatten wir zuvor mit dem Hüttenteam abgestimmt, denn angesichts der seit mehreren Tagen herrschenden Lawinenwarnstufe 4 wirkte die Route auf der Karte alles andere als selbstverständlich.
Auf der Hütte angekommen, teilte sich die Gruppe. Während die einen noch einen kurzen Ausflug ins Gelände unternehmen wollten, genossen die anderen die warme Stube und die gemütliche Leseecke. Wind und Sichtverhältnisse ließen allerdings zu wünschen übrig, sodass es bei einem kurzen Abstecher blieb.
Am nächsten Morgen pfiff uns der Wind bereits beim Verlassen der Hütte um die Ohren, und über Nacht hatte es weiter geschneit. Keine idealen Bedingungen, aber ein bisschen was geht ja immer. Also nutzten wir den Tag sinnvoll und führten in einem lawinentechnisch unkritischen Bereich eine ausführliche LVS-Übung durch.
Nach einer Aufwärmpause auf der Hütte zog es uns am späten Nachmittag noch einmal hinaus. Michael, Anja, Hansi, Sabine und ich nahmen die flachen Hänge südwestlich des Schlinigpasses ins Visier. In der Bewölkung suchten wir vorsichtig den sichersten Weg durch das Gelände und fuhren anschließend bei eingeschränkter Sicht wieder ab. Pünktlich zum hervorragenden Abendessen waren wir zurück auf der Hütte.
Auch den folgenden Morgen begannen wir entspannt und ließen das Wetter nach dem Frühstück zunächst draußen weiter wüten. Gegen Mittag besserte sich die Sicht etwas, auch wenn der Wind weiterhin kräftig blies. Michael, Anja und ich starteten einen weiteren Versuch in Richtung Schadler. Immer wieder wechselten sich Nebel und kurze Aufhellungen ab. Bis in die Nähe des Sesvennasees kamen wir gut voran, entschieden uns dann aber aufgrund der Bedingungen zur Umkehr und tasteten uns durch Wolken und Nebel zurück zur Hütte.
Neuer Tag, neuer Versuch. Wieder führte unsere Spur am Sesvennasee vorbei in Richtung Schadler. Doch auch diesmal zeigte uns der Berg seine Grenzen auf. Nachdem wir begleitet von deutlichen Wummgeräusche einen entfernten Hang fernausgelöst hatten, war die Entscheidung schnell getroffen: umdrehen. Das Erlebnis war eindrucksvoll und verdeutlichte uns noch einmal die angespannte Lawinensituation. Eine Erfahrung, die keiner von uns so schnell wiederholen möchte.
Für den folgenden Tag war endlich eine Wetterbesserung vorhergesagt. Nach dem Frühstück machten wir uns erneut auf den Weg in die flachen Hänge südwestlich des Schlinigpasses. Die Lawinensituation hatte sich durch Wind und Neuschnee zwar nicht grundlegend verbessert, doch bei bester Sicht konnten wir die zahlreichen frischen Lawinenabgänge der vergangenen Tage nun deutlich erkennen und unsere Tour entsprechend anpassen.
Durch das flache und sichere Gelände zogen wir unsere Spur bis auf etwa 2.600 Meter. Anschließend wurden wir für unsere Geduld belohnt: Die erste Abfahrt durch unverspurten Pulverschnee war schlichtweg fantastisch. Nach mehreren Tagen des Wartens fühlte sich dieser Moment besonders verdient an.
Michael und ich montierten anschließend noch einmal die Felle und stiegen erneut auf. Die zweite Abfahrt stand der ersten in nichts nach. Nach einem weiteren Aufstieg in Richtung Hütte und einer weiteren kurzen Schlussabfahrt zurück zur Hütte trafen wir uns wieder mit dem Rest der Gruppe, luden das verbliebene Gepäck auf und machten uns bereit für den Rückweg ins Tal.
Der Weg zurück durch das Langlaufzentrum verlangte noch einmal alles an Skating-Technik. Mit Tourenski bereits fordernd, mit dem Splitboard eher ein Kraftakt als ein Genuss. Dennoch erreichten wir schließlich alle wohlbehalten und zufrieden das Auto.
Am Ende kehrten wir mit vielen schönen Erinnerungen nach Hause zurück. Große Gipfelerfolge standen diesmal nicht im Mittelpunkt. Stattdessen waren es die gemeinsamen Erlebnisse, die gemütliche Zeit auf der Hütte, die richtige Einschätzung der Verhältnisse und schließlich einige herrliche Pulverschneeabfahrten, die diese Tour zu einem besonderen Erlebnis machten.
Verfasser: Philipp Schell











