Hochtour: Back to the mountains

Zielgebiet: Silvretta (Österreich) & Val d’Arolla / Walliser Alpen (Schweiz)

Stützpunkte: Wiesbadener Hütte (2.443 m), Cabane de Bertol (3.311 m), Cabane de la Dent Blanche (3.507 m)

Erklommene Gipfel: Ochsenkopf (3.057 m), Piz Buin (3.312 m), Tête Blanche (3.710 m), Wandfluehorn (3.589 m)

Unser Abenteuer begann auf der Wiesbadener Hütte mitten im Herzen der Silvretta. Das Ziel für die ersten Tage:
Die Grundlagen im Hochtouren gehen für das hochalpine Gelände zu lernen und zu vertiefen.
Das Programm war stramm, lehrreich und intensiv:

  • Eis & Fels: Gehen mit Steigeisen, richtiger Einsatz des Pickels und die Grundlagen des Eiskletterns in steilerem Geläuf.
  • Sicherheit: Behelfsmäßige Bergrettung (Spaltenbergung) für den Ernstfall auf dem Gletscher.
  • Orientierung: Grundlagen der Navigation im weglosen Gelände und auf dem spaltenreichen Eis.

Unsere Touren führten uns auf zwei prägende Gipfel der Region:

  1. Der Ochsenkopf (3.057 m): Eine ziemlich schuttige und brüchige Angelegenheit, die uns direkt zeigte, wie sich das Gelände in den Alpen verändert.
  1. Der Piz Buin (3.312 m): Der imposante Klassiker der Silvretta belohnte uns mit grandiosen Tiefblicken und makellosem Hochtouren-Feeling. Gleichzeitig wurden wir Zeugen von den Auswirkungen des Klimawandels und dem Sterben der Gletscher.
    Ein zentrales und unübersehbares Thema dieser Tage war der dramatische Rückgang des Eises. Der Klimawandel verändert die Hochalpen in rasendem Tempo. Besonders eindrücklich – und beängstigend – zeigte sich das am Kleinen Piz Buin: Wegen massiver Instabilität und Dauer-Steinschlag war der Berg komplett gesperrt. Während unserer Tage dröhnten immer wieder gewaltige Felsstürze durch das Tal. Der schmelzende Permafrost gibt das Gestein frei – ein mahnender Blick auf die Realität unserer Berge.

Die Cabane de Bertol (3.311 m):
Sattsame 1.400 Höhenmeter Schweißarbeit lagen vor uns. Doch was uns oben erwartete, war jede Anstrengung wert: Die Bertolhütte ist ein architektonisches Meisterwerk – wie ein Adlernest thront sie auf einem steilen Felsgrat mitten über den Gletscherströmen, erreichbar nur über ein System aus imposanten Stahlleitern.
Oben angekommen ergab sich ein surrealer Kontrast:
Inmitten des Eises saßen wir auf über 3.300 Metern nachmittags im T-Shirt bei gefühlten 30 Grad auf der Sonnenterrasse.

Unsere Blicke streiften ein Panorama der Superlative:
Eisige Gletscherlandschaften, die spitze Pyramide des Dent Blanche und das unverkennbare Matterhorn.

Kletter-Zugabe: Nic und Philipp ließen es sich nicht nehmen, die Hütte noch in einer kurzen Mehrseillänge über den Gipfelsockel zu erklimmen.

Der Wecker klingelte vor Sonnenaufgang. Im Schein der Stirnlampen stapften wir hinein in die klare Nachtluft. Unser Weg führte uns über weite Gletscherflächen hoch hinaus:
Tête Blanche (3.710 m) & Wandfluehorn (3.589 m): Schritt für Schritt arbeiteten wir uns über die Eiskuppen nach oben. Belohnt wurden wir mit dem magischen Moment, als die erste Morgensonne die Eiswände und Gipfel ringsum in glühende Farbpaletten tauchte.
Auge in Auge mit den Riesen: Das Matterhorn schien zum Greifen nah – seine gewaltige Nord- und Westwand baute sich direkt vor uns auf.

Nach der Gipfelkette stiegen wir zur grandios gelegenen Cabane de la Dent Blanche (3.507 m) ab.

Bei Sonnenschein und Fernsicht genossen wir noch einmal das hochalpine Flair in vollsten Zügen, der lange Abstieg ins Tal vor uns lag.

Ein gewaltiges Abenteuer zwischen Ausbildung, traumhaften Blicken auf die Berge der Alpen und der hautnahen Konfrontation mit dem Wandel der Bergwelt. Eine Tour, die noch lange im Gedächtnis bleiben wird!